Von hari, dem Wackeln und rice&curry

Ein Abstecher nach Sri Lanka katapultierte mich vom durchorganisierten Singapur in eine komplett andere Welt. Umgehend nach Ankunft in Colombo (es fehlte nicht viel und ich wäre nach der unfreundlichen und komplett gleichgültigen Behandlung bei der Einreise wieder ins Flugzeug gestiegen) ging es zum Negombo Fischmarkt. Am Strand waren Fische zum Trocknen ausgelegt und in der Markthalle wurde diverses Meergetier feil geboten. So kurz vor Mittag war zwar nicht mehr allzu viel los, aufgrund der hohen Temperaturen hatten allerdings die Gerüche einiges an Intensität zugelegt. Beim anschliessenden Lunch wählte ich jedenfalls vegetarisch.


Die Fahrt ins höher gelegene Kandy glich einem Höllenritt. Da teilten sich nicht selten fünf Fahrzeuge zwei Fahrspuren. Wobei man sich die Spuren auch eher denken musste.
Nach Ankunft sollte es zum Dinner unbedingt die lokale Spezialität rice&curry sein. Das Gericht sei leider ausgegangen. Hari, es gibt ja noch weitere Gelegenheiten.

Erster Stop – nach einem ziemlich scharfen Frühstück mit Curry-Linsen und Roti – war ‚Royal Botanic Gardens‘, wo Pflanzen aus der ganzen Welt stehen. Dies scheint auch einer unglaublich grossen Kolonie von Fledermäusen zu gefallen die in den Baumwipfeln hausen und eine ausgedehnte Show ihrer Flugkünste boten. Hitchcock’s Vögel wären vor Neid erblasst. Mir war es irgendwann auch nicht mehr so ganz geheuer…
Von da ging es auf den Hügel, auf dem die riesige Bahiravakanda Buddha Statue über Kandy wacht. Wie üblich mussten beim Eingang Eintrittsgebühr (die beträgt für Locals entweder ein Bruchteil oder entfällt komplett) und Schuhe deponiert werden. Nach zwei Stufen wurde klar, dass dieser Aufstieg zu einer Herausforderung werden dürfte. Die Platten waren siedend heiss und die Fotos für euch, liebe Leser, wurden unter grossen Qualen geknipst!


Dieser ereignisreiche Morgen verlangte dann erst mal nach einer Stärkung. Endlich, rice&curry! Der Kellner nimmt unsere Bestellung mit einem Lächeln und munterem Kopfwackeln entgegen. Hari. Als der Teller vor mir stand stellte ich fest, dass bei den angepriesenen ‚vier verschiedenen Gemüsecurries‘ je eines aus Kartoffeln, Linsen und Tofu bestand. Vegetarisch. Einfach anders.

Noch mehr Grün tanken hiess es am Nachmittag bei der Wanderung im Royal Forest Park. Total tiefenentspannt folgte der Besuch des Sri Dalada Maligawa wo der Zahn des Buddha in einem Schrein verwahrt wird. Die Länge der Schlange war dann aber doch zu lange und der Magen knurrte, so dass wir uns erneut auf die Suche nach was Essbarem machten. Diesmal sollten es ‚egg hoppers‘ sein. Das stellte sich als ziemliche Herausforderung dar… Nach fünf Anläufen und der Feststellung, dass am Freitagabend nach acht also grad gar nichts mehr läuft auf Kandy’s Strassen, landeten wir beim Chinesen.

Nach gut fünf Stunden Autofahrt erreichten wir anderntags Bentota. Auf dem Weg gab es zur Stärkung frische Kokosmilch und Gelegenheit, Süsswasserfische im Plastikbeutel zu kaufen. Das habe ich auf nächstes Mal verschoben.
Der Garten des Hotels war eine weitere, grüne Oase der Ruhe. Plötzlich ertönte jedoch von Fern ein Grollen, das immer lauter wurde. Dann war er da. Der Zug. Er ratterte nur wenige Meter vom Pool vorbei und beim Gang zum Strand musste das Trassee überquert werden. Ha, welch ein Gefühl, mitten auf den Bahngleisen zu stehen…
Viel zu kurz war der Aufenthalt dort und der nächste Stop war auch schon der letzte. Colombo. Langsam wurden die Strassen etwas breiter, die Werbetafeln nahmen zu als wir irgendwann Halt machten bei ‚Barefoot‘ – einem Shop respektive Label für wunderbare, lokal produzierte Kleider, Stoffe, etc. Im Hof traf sich an diesem Sonntagnachmittag zu Live Jazz die High Society Colombos bei Weisswein und Champagner.
Ohne Jazz, dafür mit Blick auf den Sonnenuntergang und devil cashews, präsentierte sich unser Apéro im nahegelegenen Hotel. Leider wurde das Dinner nur im runtergekühlten Restaurant serviert. Dafür mundete rice&curry hervorragend und der Koch erhielt in Gedanken ein zünftiges (hier: zustimmendes) Wackeln mit dem Kopf. Eine Eigenheit der Menschen, die mich während den vier Tagen ab und an wahnsinnig irritierte. Denn es wird meines Erachtens irgendwie universell – und inflationär – verwendet. Genau so wie hari. Okay.

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