(K)ein ganz gewöhnlicher Samstag

Ganz ungeschminkt und schwarz/weiss zeigt sich dieser Samstagmorgen. Als Frühaufsteherin werde ich Zeugin eines heftigen Gewitters. Das wurde nach über zwei Wochen auch wieder mal Zeit, beunruhigt mich hinsichtlich der Pläne für den Abend respektive die Nacht dann doch ein bisschen…

Nach einem Nachtessen am Vorabend (musste ja Kohlenhydrate tanken!) im Chijmes (ein Freiluft-Ausgeh-Komplex mit eigener Rolltreppe (!) auf dem Areal eines früheren Waisenhauses, inklusive umfunktionierter Kirche) will ich einiges erledigen, was nach knapp zweiwöchiger Abwesenheit liegen geblieben ist. Ich stelle fest, die MRT (U-Bahnlinie)-Station um die Ecke ist in der Zwischenzeit fast fertig (das ging ja fix) und im Café (es war vorher eine Kleiderboutique), das vor meiner Abreise noch nicht geöffnet war, sitzen nun Gäste (dieses Kommen und Gehen ist ja so was von total normal hier).

Ich lege noch kurz die Beine hoch bevor ich los muss und sitze auf meinem Balkon. Bei den Franzosen über mir scheint eine gute Party in Gang zu sein und der Chauffeur, der einen Container abholt (sind wohl wieder Expats angekommen oder abgereist) lässt seit Minuten den Motor seines Lasters laufen. Als ein immer lauter werdendes Dröhnen dazu kommt, finde ich es für einen Moment ziemlich ungemütlich für einen gemütlichen Samstagvorabend. Aber eben, es ist ja kein gewöhnlicher. Der Lärm entpuppt sich als Formationsflug am Himmel. Die Luftwaffe übt für die grosse Geburtstagsfeier im August und donnert in Form einer 5 und einer O über meinen Kopf hinweg. Ausgerechnet in diesem Moment hängt mein iphone am Strom und die Jets sind definitiv schneller als meine Beine. Vorsorglich lege ich das Gerät dann doch neben mich und fange ein paar Minuten später den zweiten, leider weniger spektakulären Teil, ein. Gut, dann kann ich das lange, freie Wochenende rund um den Nationalfeiertag im August getrost woanders verbringen. Das hätte ich ja nun bereits gesehen.
Langsam wird es Zeit… Um 22 Uhr geht es los. Ziemlich ungewöhnlich für einen Samstagabend verlasse ich die Wohnung in Laufschuhen und mache mich auf zum Sundown Marathon. Nach wenigen Stationen falle ich in der MRT nicht mehr auf. Höchstens dadurch, dass ich nicht wie alle Locals das T-Shirt trage, das man beim Abholen der Startnummer erhalten hat. Tja, die lokalen Kleidergrössen entsprechen – logischerweise – nicht ganz dem europäischen Standard und so war mir in Grösse S nur mässig wohl.
Auf dem Formel 1-Geländes am Fuss des Singapur Flyers (so heisst das grosse Riesenrad) herrscht ein buntes Durcheinander von Laufbegeisterten. Es gibt verschiedene Strecken vom Spass- über den Team-Lauf bis zum ausgewachsenen Marathon. Ich wage mich nach monatelanger Laufpause (es ist einfach schon ein bisschen (zu) warm zum Laufen hier…) an 10 Kilometer. Alles ist – wen wundert’s – hervorragend organisiert. Der Helfer beim Gang zu den Toi Toi’s weist drauf hin, dass es weiter hinten noch mehr davon gibt und man nicht vergessen soll die Türe zu verriegeln. Ich beobachte gar, dass Helfer den Läufern die Türe aufhalten (das sollte mal besser im Alltag hier zur Selbstverständlichkeit werden – bei Männern UND Frauen…).
Beim Gang zum Start wird nochmals minutiös kontrolliert, dass nur Läufer mit Startnummer und -chip durchmarschieren können. Und endlich geht es los. Ich nehme die zehn Kilometer in Dunkelheit und bei immer noch über 30 Grad in Angriff. Als sich nach Kilometer zwei das Feld langsam etwas lichtet und ich in einen regelmässigen Rhythmus wechseln kann, erinnere ich mich an den Rat eines Freundes (und Pro’s) dass ich vor allem eins tun solle: den Lauf geniessen! Die Szenerie ist ja in der Tat grandios: Die Lichter von Marina Bay Sands und der Skyline, das Riesenrad und später dann das Farbenspektakel von Gardens by the Bay. So vergeht die Zeit rasch (klar, nicht ganz so zügig, wie wenn die F1 Boliden auf der Strecke wären) und bald finde ich mich auf dem Zielgelände wieder zwischen all den Gleichgesinnten mit mehr oder weniger glücklichen Gesichtern. Ich finde auch meine Mitstreiterin wieder und wir sind uns einig: Spassfaktor hoch bei diesem alles andere als gewöhnlichen Samstagabend-Programm!

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