The Thai way

Zwei Medienevents in drei Tagen. Einmal für SWISS zusammen mit Switzerland Tourism bei Marché in Singapore. Einmal für Lufthansa mit italienischem Starkoch im fünf Sterne Haus Sheraton in Bangkok. Sie hätten unterschiedlicher nicht sein können.

Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Geschäftsführer des Marché Restaurants in Singapur lief reibungslos: Beim Zähneputzen frühmorgens kriege ich schon die Info dass die Filme (nach dem Test ein paar Tage vorher, wohlverstanden) auf den Screens laufen, Ton funktioniere. Als wir eine gute Stunde vor Event eintreffen, steht das Mobiliar. Den Tüten mit den Medienmappen muss nur noch die Schweizer Schokolade beigefügt werden, die die Nacht im Kühlschrank hatte verbringen dürfen. In einem kurzen Briefing gehen wir den Ablauf durch. Die Jungs wissen, wann sie den Ton der Musik runterdrehen und wann nicht mit Geschirr und Töpfen scheppern sollen (sie halten sich später auch dran!). Der Schweizer Brunch mit Birchermüesli, Speck & Spiegeleier mundet hervorragend, die Medienschaffenden unterhalten sich angeregt sowohl mit den Gastgebern (also uns), als auch untereinander. Als wir zum Ende des offiziellen Medienanlasses das Lokal verlassen und uns zur eigentlichen Roadshow Location begeben, zaubert die Alphorn-Spielerin auch schon die ersten Töne aus ihrem Instrument und heisst die Medienschaffenden quasi zum Abschied willkommen. Organisation und Choreographie: einwandfrei.

Tags drauf. Die Schlangen zur Einreise nach Thailand sind lang. Ein Taxi ist kriegen wir dann erstaunlicherweise schnell. Denn – so scheint es – die anderen stehen alle bereits im Stau in der Innenstadt. Das erste Briefing im Hotel ist somit auch bereits im Gange als wir endlich eintreffen. Die Verantwortung für diesen Event liegt einerseits beim Hotel Team und bei bei der lokalen PR Agentur, andererseits bei unseren lokalen Kollegen und meiner Mitarbeiterin. Da das Restaurant natürlich am Abend noch regulär genutzt wird, steht noch nichts für den nächsten Morgen. Das Briefing verläuft mässig strukturiert, dies vor allem, weil die Kollegin, die sich mir als Verantwortliche vorgestellt hatte, immer wieder von anderen mit Ergänzungen unterbrochen werden.

Als wir uns am anderen Morgen zur vereinbarten Zeit versammeln stehen die Tische und Stühle kreuz und quer, überall wuselt es wie in einem Bienenstock. Unzählige Mitarbeiter kommen und gehen, schleppen Tische herbei, rücken Stühle. Irgendwann kommt der Techniker und installiert die Bildschirme. Meine Anmerkung, dass an positionierter Stelle leider niemand was sehen kann, wird zwar entgegen genommen, aber freundlich ignoriert. Dasselbe gilt für das Flugzeugmodell bei welchem ich auf die Gefahr für einen Sturzflug hinweise weil einfach nicht genügend Platz ist, um daran vorbeizukommen. Hier stelle ich jedoch eine gute halbe Stunde später fest, dass man es auf einem Sockel positioniert hat so dass sich niemand mit den Tragriemen der Tüte mit der Medienmappe am Winglet des linken Flügels verheddern kann.

Stichwort: Medienmappen. Vor dem Saal steht der Empfangstisch bereit, an welchem später die Medienmappen abgegeben werden. So weit sind wir aber noch lange nicht. Rund um den Tisch stehen acht (oder waren es mehr?) mehrheitlich schwarz gekleidete Helferinnen, die sich konzentriert über Papiere, Mappen, Kugelschreiber, Kochschürzen und Plastiktüten beugen und sich angeregt in einem Gemisch aus Thai und Englisch unterhalten. Ich entnehme den Gesprächen, dass man sich u.a. noch nicht ganz einig ist über die Reihenfolge der Papiere. So wird sortiert, neu sortiert, gebündelt, verpackt, geschichtet, umgeschichtet.

Derweil hat der Flugzeug-Caterer die Gerichte geliefert, die den Medien präsentiert werden. Für die unzähligen Schälchen muss erst mal Platz geschaffen und dann müssen sie hübsch angeordnet werden. Dafür sind wiederum, unzählige Mitarbeitende in Schwarz im Einsatz, die Aufträge von Mitarbeitenden in Schwarz-Weiss erhalten, welche wiederum Aufträge von Mitarbeitenden in Dunkelblau oder grau entgegengenommen hatten. Ich beschliesse, mich aus der Schusslinie zu nehmen und das Ganze aus sicherer Entfernung zu beobachten. Und vor allem, mich nicht mehr einzumischen. Inmitten des ganzen Tumults und die Ruhe selbst – eher a-typisch für einen Italiener – Chef Luca. Er scheint nicht die kleinste Spur Nervosität zu verspüren und unterhält sich ein bisschen hier, ein bisschen da mit dem Personal, welches (siehe oben) ja auch zahlreich zugegen ist. Irgendwann steht er neben mir und will nicht mehr mit Erzählen aufhören… Erst, als die ersten Journalisten eintrudeln zieht er sich dann doch noch ein paar Minuten zurück. So kann ich wenigstens nochmal kurz durch den Hauptsaal gehen – während die Medien nebenan erst mal Kaffee trinken – um mich zu versichern, dass die Vorbereitungen abgeschlossen sind. Der Saal ist nicht wiederzuerkennen. Showtime.

Ab jenem Moment allerdings, an welchem wenig später die Journalisten den Raum fluten, herrscht Chaos. Es gibt bei weitem zu wenig Plätze am Tisch (wo den Gästen ein Siebengang-Menü serviert wird) dafür noch immer zu viele Menschen im Raum. Dass wir vom Medienteam uns zu den Journalisten setzen (ich dachte bis anhin immer, genau DAS sei mein Job…) war nie vorgesehen und so stehe ich seitlich an der Wand und beobachte die Szene. Allmählich kehrt etwas Ruhe ein, als alle die zweite Vorspeise vor sich haben. Diese Ruhe wird im weiteren Verlauf allerdings fast gespenstig. Alle starren abwechselnd von ihrem Teller auf ihr Smartphone, mit welchem eifrig Fotos in die Welt verschickt werden. Leider schaut aber auch kaum jemand auf, als Chef Luca eine weitere Vorspeise zubereitet. Gespräche finden so gut wie keine statt und so verziehe ich mal kurz nach draussen um den Medien nicht wie im Zoo beim Essen zuschauen zu müssen.
Es folgt eine Fragerunde, an welcher sich allerdings lediglich zwei Journalisten beteiligen. Aber, so mein Eindruck, vor allem, weil sie sich selber gerne reden hören. Nach dem Hauptgang kommt dann doch noch etwas Bewegung in die Gruppe. Sie müssen sich nämlich zum Dessert in den Nebensaal bewegen. Nach Schokoladenkuchen, Tirami su und Panna cotta ziehen die Medien von dannen. Jedoch nicht, ohne sich in stoischer Ruhe einzeln von den Gastgebern oder zumindest allen, die gerade dann im Foyer zugegen sind – und das sind einige – zu verabschieden. Das geschieht, in dem beide Handflächen aneinander gelegt und Richtung Stirn bewegt werden, während gleichzeitig der Kopf leicht nach vorn geneigt wird. The thai way, eben!

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