Operation Durian.

Für dieses Erlebnis hab ich mir über ein Jahr Zeit gelassen. Und letzten Endes geschah es auch nur, weil es keinen Weg zurück mehr gab. Mein erstes Jahr Singapur hab ich selbstverständlich auch noch mit ein paar Arbeitskollegen gefeiert. In keinem anderen als dem Kult-verdächtigen Lokal 126 (s. früheren Beitrag) mit köstlichem Essen. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zahlreicher Verkaufsstände, die Durian anbieten. Schon vor diesem Sonntagabend hab ich zu hören bekommen, dass ich nach dem Essen unbedingt noch den Hochgenuss dieser Frucht erleben müsse. Klar, meinte ich Tage vorher, machen wir. 
Als wir aber nach einem wiederum sehr leckeren Nachtessen die Strasse überqueren und die ‚Erfahrenen‘ unter uns des Langen und Breiten über das Mysterium dieser Frucht berichten, regen sich leise Zweifel, ob ich meinen aktuellen Genusshöhenflug damit wirklich jäh beenden will…
Der Geruch den ich auf der Strasse wahrnahm, wenn ich bis anhin an Durian vorbei gegangen bin, erinnerte mich immer ein bisschen an Mango. Diese Meinung teilt allerdings niemand aus der Gruppe. Den Geschmack beschreiben sie mit jenem von rezentem oder Blauschimmel-käse. (Olfaktorisch wären es bei ihnen dann wohl Käsefüsse…) Die Konsistenz sei breiig.
Am Stand liegen abgepackte Schalen unterschiedlicher Preisklassen vor uns. Deren Inhalt ähnelt meines Erachtens eher Pouletbrüstchen bevor sie Bekanntschaft mit Marinade und dem Grillrost gemacht haben. Wir lassen uns beraten und investieren 28 Singapur Dollar. Gut, für diesen Preis muss das ja jetzt nun wirklich eine Delikatesse sein. Wir tragen die Schale zu einem der Tische. Darauf stehen Behälter mit Plastikhandschuhen… Ich kombiniere rasch: in jedem öffentlichen Verkehrsmittel ist ein Schild angebracht, das den Transport von Durian verbietet, insofern empfiehlt es sich wohl, diesem Wink mit dem Telefonmast zu folgen. Ich ziehe mir Handschuhe über. Jemand öffnet die Plastikfolie und da liegt sie nun… Als ich ein Stück rausnehmen will, bin ich zugegebenermassen überrascht von der Konsistenz. Die Finger versinken im weichen Fleisch und unbeabsichtigt halte ich ein Stück ‚Gemansche‘ in meinen Plastikhandschuh-Fingern. Vorsichtig nähere ich es meiner Nase. Hm, irgendwie erinnert es mich an keines der Attribute, mit denen es die anderen beschrieben haben. Aber auch an Nichts, was ich bis jetzt schon mal gegessen hätte.
Nun denn, es gibt keinen Weg zurück. Ich ‚beisse‘, respektive mehr ’schlabbere‘ ein Stück davon ab und versuche dieses wirklich undefinierbare Etwas mit meinen Geschmacksnerven einzuordnen. Es mag mir nicht gelingen. Ein bisschen nussig, aber auch bitter. Oder doch an einigen Stellen süss? Was mir auffällt, die Frucht ist unglaublich reichhaltig. (Gut, vielleicht hätte ich mich einfach beim Abendessen etwas zurückhalten sollen…) So muss ich bereits nach dem ersten und einzigen Bissen kapitulieren. Vielleicht liegt es aber doch einfach daran, dass meine Geschmackspapillen nun wirklich nicht Achterbahn fahren… Der Rest des Breis landet mit den Plastikhandschuhen im Abfalleimer. Operation beendet.
In der Gruppe gibt es nur eine Person, meine Praktikantin, die Durian mag. Sie backt gern (und gut!) Kuchen und meint, sie würde gerne mal einen Durian-Cheesecake ausprobieren. Trotz meiner Vorliebe für Cheesecake hoffe ich, dass sie dieses Experiment erst an ihrer nächsten Praktikumsstelle in die Tat umsetzt. 

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