Im Kino mit Susi.

Dem selbstauferlegten Ziel, Singapur auch vermehrt die kulturellen Schätze zu entlocken, bin ich zumindest an zwei der letzten drei Wochenenden näher gekommen. Monatelang hat mich der Besuch eines Kinos abgeschreckt weil mir immer alle sagten, es sei wahnsinnig kalt da drin. Noch kälter, als in all den Malls. An diesem Sonntag, als sogar ich wieder mal sagen muss, dass es wirklich heiss ist, scheint mir die perfekte Gelegenheit, mir selbst ein Bild zu machen. Und natürlich, mich dabei auch grad ein bisschen abzukühlen.

Okay, ich gebe zu, der neue Bond ‚Spectre‘ ist jetzt kulturell nicht wahnsinnig hochstehend. Gehören die Filme ja aber doch so etwas wie zur Allgemeinbildung. So mache ich mich sehr spontan auf den Weg und muss mich ziemlich beeilen, was zu einem weiteren Anstieg meiner Betriebstemperatur führt. Leider bin ich dermassen knapp in der Zeit, dass ich mir ‚den Gang um die Ecke‘ verkneifen muss. Ich will ja schliesslich den Anfang nicht verpassen. Bei der exzessiven Werbephase zu Beginn hätte dies aber noch längstens gereicht. Um einer Erkältung vorzubeugen, hülle ich mich – da ziemlich durchgeschwitzt – schon mal prophylaktisch in Jacke und Schal und lehne mich entspannt in meinem Sessel zurück. Rund um mich raschelt und knistert es. Der Duft nach Popcorn liegt schwer in der Luft. Hier und dort flackern Displays von Mobiltelefonen auf. Ob Bond derart zu fesseln vermag, dass Singapurs Kinogänger auch mal für 148 Minuten ihr Smartphone vergessen?

Es geht los. Nach der actionreichen Anfangsszene muss ich erst mal meinen Schal lockern, so heiss ist mir plötzlich. Nach und nach normalisiert sich mein Zustand. Ja, der Pfeil meiner Temperaturanzeige entfernt sich gar nach und nach vom roten Bereich. Als die ersten Zuschauer mitten im Film zur Toilette gehen, ueberlege ich mir kurz, ihnen gleichzutun. (Ich kann immer noch nicht ganz nachvollziehen, warum gerade im Land des Kommerzes und der Vorliebe fürs Essen, DIE Chance verpasst wird, auch in einer Kino-Pause noch Getränke und Essen zu verkaufen. Ist doch kein Kinospass, wenn man im Dunkeln durch die Reihen tappen muss. Und dabei vor allem die anderen Zuschauer stört!)

Gebannt verfolge ich Bonds Reise über die Kontinente. Zurück in London (also der Agent im Film natürlich) merke ich erst wie durchgefroren ich plötzlich bin. Als mein Nachbar immer wieder mit den Eiswürfeln in seinem Getränkebecher klimpert, bereue ich noch mehr, dass ich mir den Gang zur Toilette verkniffen habe. Es kommt zum Showdown. 00 muss warten!

Als die Lichter angehen verzichte ich aufs Lesen der Namen im Abspann. Bevor ich mich Richtung Ausgang begebe sehe ich, dass mein Nachbar (der, der mit den Eiswürfeln klimpert) eine Decke auf seinen Knien liegen hat. Die Kombination aus Kühlschrank und fehlender Pause mögen mich zwar eiskalt erwischt haben. Aber er?? Hei, SO ’ne Susi!

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