Eingebucht

Beinahe drei Wochen war ich fort von zu Hause. Nach Meetings in Delhi (wo ich mit dem lokalen Team am Weihnachtsfest doch tatsächlich zu Bollywood Schnulzen tanzen muss) und Frankfurt (wo ich mit einem breiten Grinsen durch den Nieselregen ins Büro marschiere – und logischerweise schräg angeschaut werde… Aber hei, nach monatelangem Tropenwetter ist das einfach ein grossartiges Gefühl) geht es nach Zürich (wo der Glühwein zum Apéro bei frühlingshaften Temperaturen nicht so recht passen will). Nach den Weihnachtstagen – ich hätte noch tagelang von Mami’s Weihnachtsguetzli futtern können – setze ich mich schon wieder ins Flugzeug. Allerdings weiter westwärts. Nach Miami. (Die paar Tage werde ich bei Gelegenheit in einem separaten Beitrag abfeiern. Es war eine grandiose Reise!)
Ich lande mit vielen Erlebnissen rund um Weihnachten und den Jahreswechsel an diesem Freitagabend in Singapur und begebe mich Richtung Ankunftshalle. Ha, ich bin ganz stolz, dass ich – nicht wie während der letzten Tagen in Europa und den USA – gegen den Strom laufe, denn hier in Singapur hält man sich links. Ein paar Minuten später muss ich dann aber ein bisschen Gegensteuer geben. Eine Flughafen-Mitarbeiterin will mich – mit samt meinen drei (!) Gepäckstücken – doch tatsächlich ins Terminal 3 lotsen weil die Warteschlange für Taxis im Terminal 2 zu lange sei. Ich überrolle sie mit Argumenten, nicht mit Koffern wohlverstanden, und sie lässt mich zum Glück vorbei. Meine warme Strickjacke kann ich im Taxi noch wunderbar gebrauchen, denn es herrscht wie eigentlich immer: Kühlschrank-Temperatur. Das Wetter ist prächtig. 30 Grad. Wie immer. Auch der Verkehr auf der Flughafenautobahn ist wie immer um diese Zeit. Ziemlich dicht. Aber ich habe ja Zeit, denn bis zum Start im Büro liegt noch das ganze Wochenende vor mir!
So mache ich mich am Samstag voller Elan auf, um einen (nicht erst für 2016, wie aufmerksame LeserInnen wissen) gefassten Vorsatz umzusetzen. Schliesslich muss ich auch die neue MRT Station testen, die während meiner Abwesenheit quasi vor meiner Haustüre eröffnet wurde. Das Ziel ist die National Gallery Singapore, die erst Mitte Dezember eingeweiht wurde. Von den Werken von Chua Ek Kay und Wu Guanzhong bin ich beeindruckt. Vor allem aber von der genialen Symbiose aus Architektur und Kunst. Das ehemalige Ratshaus und das Gerichtsgebäude sind mit einem modernen Zwischenbau verbunden und die Räume sowie Installationen, teilweise mit Wasser, sind eigentliche Kunstwerk an sich. Ein Aufpasser erklärt mir gar eines der Gemälde und ich muss über eine Chinesin lachen, die ein Bild fotografiert, welches die Notre Dame in Paris zeigt. Allerdings ziemlich schlecht gemalt. Wenigstens für mein Empfinden. Als einziger Minuspunkt im Gesamterlebnis ist festzuhalten, dass mein Mittagessen im Museums Café in einer Plastik-Schale serviert wird. Obwohl ich es nicht zum Mitnehmen bestellt habe und das Café sehr gemütlich ist und zum Verweilen einlädt.

Da in meinem Kühlschrank gähnende Leere herrscht – ich kann mich schliesslich die nächsten Tage nicht nur vom mitgebrachten Bündnerfleisch, Schoggi und den restlichen Weihnachtsguetzli ernähren. Auch das Zermatter Bergführerbrot hält nicht ewig (thx again, Sara!) – muss ich mich noch ins Einkaufsgetümmel werfen. Ich darf mich ab sofort wieder dran gewöhnen, dass die Einkäufe auch gleich für mich in Tüten gepackt werden. Mein Warten auf diesen Service an der Volg-Kasse bei einem meiner letzten Besuche in der Schweiz hatte erst für ziemliche Verwirrung (um nicht zu sagen Kopfschütteln und Unverständnis bei meinem Mami), anschließend mit erklärenden Worten dann aber für grosses Erheiterung gesorgt.
Im Zickzack-Kurs durch die Menschenmenge mache ich mich auf den Weg zum Bus. Vorbei an Passanten und Wartenden, die auf ihre Smartphones starren, auf ihnen swipen und tippen. An der Haltestelle und später im Bus das selbe Bild. Die Menschen haben nur Augen für ihre blinken, surrenden und piepsenden Geräte. Aber halt, da, zwischendrin. Ist das möglich? Eine exotische Erscheinung. Ein Ausserirdischer. Ein Mensch mit einem ….Buch!! Diese Szene, dieses Bild… ist derart außergewöhnlich, dass es wiederum passt in diese außergewöhnliche Stadt. Ich muss also wieder zu Hause sein!

 

 

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